Tobias Mosthaf 2004-2005

Hier ist sein Bericht über seine Zeit und seine Aufgaben bei der ILUGUA:

 

„Auf dem Gelände der Casa Campesina habe ich bei der Versorgung der vielen jungen Obstbäume geholfen. Wir haben dabei beispielsweise folgende Methoden angewendet, die auch heute von den Kleinbauern genutzt werden:  Wir haben getrocknete Gräser als Mulche angehäuft, damit die Sonnenstrahlen die gegossene Erde um die Bäumchen nicht gleich wieder austrocknen; denn die Feuchtigkeit wird durch die Mulche gehalten; oder wir haben z.B. an jedem Bäumchen eine ‚Tropfbewässerung‘ angebracht, die aus je einer 2l Plastikflasche besteht. Außerdem haben wir auch verschiedene organische Dünger auf dem Gelände der Casa Campasina verwendet, um Anschauungsbeispiele für die Kleinbauern zu schaffen. 

Auch war ich mit anderen Mitarbeitern der ILUGUA damit beschäftigt, in der Nähe des entstehenden Brunnens eine Steinmauer zu errichten, da der vorher bestehende Stacheldrahtzaun von nächtlichen Besuchern zerschnitten wurde. Damit es beim nächsten Versuch den Zaun zu beseitigen den betreffenden Personen nicht so leicht fällt, haben wir uns entschlossen eine Naturmauer aus Steinen entstehen zu lassen, welche auch die während der Regenzeit vorhandenen Wassermassen des vorbeiziehenden Flusses besser aufhält.

Eine weitere Aufgabe war der Bau einer Abstellkammer auf dem Gelände der Casa Campesina.

Im Arbeitsfeld der nachhaltigen Landwirtschaft habe ich mich unter anderem in die praktischen Einsätze, die direkt bei den Kleinbauern in den Bergen stattfinden, eingeklinkt. Ich habe z.B. bei einem dieser Einsätze geholfen, bei dem wir zu viert auf der Parzelle einer Familie zusammen mit dieser mit Schaufel und Pickel drei kleine Terrassen errichtet haben, die wir mit natürlichem Dünger (Viehkot) versehen haben. Diese praktischen Einsätze leisteten wir vermehrt in der Zeit vor der Saat (Beginn der Regenzeit von Mai ab, nicht bei Ernte wegen schlechtem Weg + nicht nachhaltig) ab, um den Boden mit ökologischem Dünger anzureichern. Diese Einsätze sollten den Kleinbauernfamilien ein kleiner Antrieb sein, damit sie mit der nachhaltigen Landwirtschaft weitermachen bzw. anfangen.

Zudem habe ich mich in den Unterricht für eine Gruppe von Schülern zwischen 15 und 20 Jahren über nachhaltige Landwirtschaft eingebracht. Dieser Unterricht wurde in enger Kooperation mit dem Lehrer der Schüler gehalten, der auf die ILUGUA zugegangen ist, um eine Zusammenarbeit bei diesem wichtigen Thema anzuregen. So haben wir zum Beispiel bei einer Unterrichtseinheit das Thema “Obstbäume” behandelt, wozu ich, nachdem ich mich auf dieses Thema selbst auch erst vorbereiten musste, eine kleine Einführung gegeben habe. Bei dieser Einführung habe ich zum Beispiel einige Funktionen von Obstbäumen behandelt. Obstbäume dienen als Wasserspeicher, was dazu beiträgt, dass Wasserquellen nicht versiegen, sie wirken Erosion entgegen und geben uns in Form ihrer Früchte auch wichtige Vitamine. Diese Zusammenarbeit mit den Jugendlichen betrachte ich als sehr wichtig, da die Jugendlichen noch nicht so “festgefahren” sind und ein wenig leichter als ihre Eltern davon überzeugt werden können, nicht zu chemischen Keulen zu greifen, die ihre Lage eher verschlechtern als verbessern.

Zu meiner Arbeit zählte unter anderem auch das Notizen machen bei verschiedenen Workshops, die uns die Anfertigung von Protokollen erleichterten. Außerdem war natürlich meine Mitarbeit bei den verschiedenen Workshops gefragt."

Sein persönliches Fazit:

"Die soziale Ungerechtigkeit in Guatemala jeden Tag zu sehen und festzustellen, dass sich daran im Großen eigentlich nicht viel ändert, war für mich sehr frustrierend.

So lange noch in den Köpfen vieler Menschen das einzige Ziel ist, sich selbst zu bereichern und sich keine Gedanken über seine Nächsten zu machen, wird sich meiner Meinung nach nicht viel an der sozialen Ungerechtigkeit in Guatemala aber auch an der weltweit herrschenden Ungerechtigkeit ändern. Wenn sich jeder einzelne von uns das uralte Gebot der Nächstenliebe etwas mehr zu Herzen nehmen würde, wäre schon der erste Schritt in die richtige Richtung getan".