Tribunal der Völker in Bogota

Die öffentliche Eröffnung fand am 2. August 2007 auf dem Platz direkt vor Ecopetrol, dem "noch" staatlichen Erdölkonzern Kolumbien statt

2. August 2007
Das Tribunal der Völker nimmt seine Arbeit in Bogota/Kolumbien auf
 
Vom 2 – 4. August 2007 tagt in Bogota das Permanente Tribunal der Völker . Die Themen des Tribunals sind die Menschenrechtsverletzungen, die den in Kolumbien agierenden internationalen Ölkonzernen OXI (USA), Repsol
(Spanien) und BP (Grossbritannien) vorgeworfen wird.
Das Tribunal wird von Nichtregierungsorganisationen durchgeführt. Es steht damit in der Tradition des Russell-Tribunals, das seine Sitzungen 1967 in London  aufnahm und sich mit den Menschenrechtsverletzungen des Vietnamkriegs beschäftigte. Das Russell-Tribul lud die beteiligten Kriegsnationen ein, um ihre Statements zu den Vorwürfen, über die das Tribunal verhandelte abzugeben. An den Sitzungen des Tribunals nahmen Repräsentanten aus 18 Ländern teil, Vertreter von Bürger – und Friedensbewegungen, ebenso wie  Wissenschaftler, Schriftsteller und Politiker; u.a.Bertrand  Russell selbst, Jean-Paul Satre, Günter Anders,  Simone de Beauvoir und Lelio Basso, dessen Stiftung Mitveranstalter des Tribunals der Völker in Kolumbien ist.
 
Das Tribunal der Völker nahm die Vorarbeit des Russelltribunals auf, als es 1989-1991 die Verbrechen der Militärdikaturen in Lateinamerika untersuchte und verurteilte.
 
Neben der moralischen und ethischen Aufarbeitung der Verbrechen gegen die Menschlichkeit, arbeitet das Tribunal die Fakten auch soweit auf, dass sie interationalen Rechtsansprüchen genügen und in juristischen Verfahren weitergeführt werden können.
 
So haben z.b. die Anklagen, die gegen Coca Cola und Nestle in vorhergehenden Tribunalen in Kolumbien erhoben wurden, zu Anklagen und teilweisen Verurteilungen dieser Firmen vor internationalen Gerichten geführt.
 
Das Tribunal der Völker hat schon in verschiedenen Ländern getagt, um dort stattfindende Verbrechen an die Öffentichkeit zu bringen.
 
In Kolumbien gab es seit April 2006 mehrere thematische Sitzungen des Tribunals in denen die Verbrechen, die international agierende Konzerne verüben, behandelt werden. Es gab Anhörungen zu Themen der Ernährung, Biodiversität und zum Abbau von Edelmetallen.
 
Am gerade in Bogota stattfindenden Tribunal nehme ich als Co-Richter auf Einladung eines unabhängigen Anwaltsverbandes und der Gewerkschaft SINALTRAINAL statt.
Auf der ersten Sitzung am Abend des 2. August 2007 wurden mit den anderen Richter und Co-Richtern und den Veranstaltern organisatorische Fragen behandelt und ein erster Blick auf das Programm der kommenden Tage geworfen.
Neben Zeugnissen von Augenzeugen und Betroffenen von Massakern, Bombardierungen, Verschleppungen und Ermordungen werden auch bisher vorliegende Untersuchungen und Berichte in die Arbeit der Tribunals einbezogen.
Am Samstag wird dann ein Abschlussbericht vorgelegt, der in die weiteren Anhörungen und das Abschlussdokument, das im Juli 2008 erarbeitet wird, einfließt.
Die Anhörung ist gut vorbereitet. Seit Monaten werden Zeugnisse gesammelt und aufgearbeitet.
Was wir die nächsten Tage zu hören bekommen werden, wirft schon jetzt seine Schatten voraus.
 
Zunächst einmal begann der öffentliche Teil mit einer kulturell-politischen Veranstaltung auf einem Platz direkt neben dem noch-staatlichen Erdöl Konzern Ecopetrol, der, so beschloss es die Regierung heute, am 2.4. in einer ersten Trange an die Börse und damit privatisiert werden soll. Ecopetrol wirft gute Gewinne ab. Aus Ecopetrol wird bestimmt keine „Volksaktie“ - schon jetzt haben die internationalen Ölfirmen einen Fuss im Konzern – Der Ausverkauf eines weiteren Stücks des kolumbianischen Reichtums ist beschlossene Sache, das gab die Regierung Uribe in den Abendnachrichten bekannt.