Fachtag zu Kolumbien und Wasserkonflikten, März 2014

Wir haben Edgar Paez von der kolumbianischen Nahrungsmittelgewerkschaft SINALTRAINAL im März 2014 nach Deutschland eingeladen.

Edgar nahm an der Fachtagung "Wasser:Welt:Konflikte" im Haus der Begegnung teil. Mitveranstalter war die Evangelische Akademie Bad Boll.

Edgar berichtete über die aktuelle Situation in Kolumbien und die Konflikte mit Coca Cola und Nestlé.

Carolin Callenius von Brot für die Welt in Berlin stellte die internationale Debatte zum Thema Wasser dar.

Michael Hauser berichtete von der Mine Marlin in Guatemala und wie sich die Menschen in der Region San Marcos gegen die Verseuchung ihres Wasser und der Umwelt engagieren.

Es wurde vereinbart, dass in der Ulmer Region begleitende Aktionen zur "Karavane um den Frieden und die Demokratie in Kolumbien zu erreichen" durchgeführt werden.

Die Reise von Edgar Paez wird vom "Katholischen Fonds" unterstützt.

Bilder vom Fachtag zu Wasser und Kolumbien

Drohungen gegen SINALTRAINAL

Edgar Paez gehört zu den Bedrohten.

Seit September 2010 spitzt sich die Situation in Kolumbien zu.

Das dortige Nestlé Werk soll "gewerkschaftsfrei" gemacht werden - nach Aussagen der Todesschwadronen.

 

Im kolumbianischen Kontext bedeutet dies die Androhung der Ermordung von Vertretern der Nahrungsmittelgewerkschaft Sinaltrainal, unter ihnen Edgar Paez, den wir schon mehrere Male nach Deutschland eingeladen haben.  Wichtig sind jetzt Schreiben an Nestlé, die kolumbianische Regierung und das Auswärtige Amt in Berlin.

 

Mehr Hintergrundinfos hier....

Schwarzer Dezember 2012 angekündigt

Über die aktuelle Situation schreibt Bea S.

 

Liebe Leute,
unseren Freunden und Gewerkschaftskollegen in Kolumbien wurde ein schwarzer Dezember angekündigt, der ihnen das Leben kosten soll. Die Kollegen bitten uns um dringende Unterstützung, da das Blutvergießen am 2. Dezember losgehen soll. Für diejenigen, die Spanisch sprechen, möchte ich auf die Links bei Sinaltrainal.org verweisen. Verschiedene paramilitärische Verbände, darunter der Block Haupstadt der Aguilas Negras, die AUC u.a. bedrohen konkret Gewerkschafter in der Region Valle de Cauca, wo auch Nestlé ihre Fabrik hat. Daher sind besonders Nestlé Gewerkschafter von Sinaltrainal betroffen. Mehrere der Kollegen kennen wir wie Edgar Paez, Carlos Olaya, Julio Lopez, der Vorsitzende Javier Correa etc. (s.u.).

Ich bitte euch eindringlich, mit zu protestieren und Nestle aufzufordern, dass sie Sicherheitsmaßnamen gewähren und sich öffentlich von den Paracos distanzieren. Die schreiben, als wären sie Schutzpatron der Firmen Nestle, Coca Cola etc..
In einer anderen Drohung werden eine Reihe von Organisationen genannt, viele Frauenorganisationen sind dabei. "Glaubt nicht, dass wir euch vergessen haben ihr Hunde und Hurensöhne", schreiben die vom Block Haupstadt der Aguilas Negras; und "Die Zeit ist gekommen...". In einem anderen Schreiben unterzeichnet das Gemeinsame Antikommunistisches Kommando: "Es wird keinen Frieden geben, so lange noch Kommunisten existieren.. Auslöschung und Tod"

Hier ist eine Briefvorlage, die benutzt werden kann.

Hier das Worddokument.

Vielen Dank im Namen der bedrohten Kollegen
Bea S.
An die folgenden Personen soll der Brief gehen:
Sr. Paul Bulcke, Nestlé Chief Executive Officer,     ceo.information@nestle.com

Manuel Andrés k., Presidente de Nestlé de Colombia S.A.,    Manuel.andres@co.nestle.com

Ricardo Andrés Echeverry López, Gerente Regional Sostenibilidad Corporativa,    Ricardo.Echeverridontospamme@gowaway.co.nestle.com 

Manuel Muñoz, Gerente de Relaciones Laborales,   manuel.munozdontospamme@gowaway.co.nestle.com

Brief an Nestlé wegen Morddrohungen gegen Sinaltrainal Bugalagrande

Das Nestlé Werk in Bugalagrande. Hier soll es "in zwei Wochen keine Gewerkschaft mehr geben" nach Aussage der Todesschwadronen.

An den Vorstand von Nestlé    

 

Sehr geehrte Damen und Herren,  

 

aus Kolumbien erhalten wir schreckliche Nachrichten.

Die Paramilitärorganisation Aguilas Negras kündigt an, die aktuelle und frühere Gewerkschaftsführung der Gewerkschaft Sinaltrainal, die Ihr Verhandlungspartner sein sollte, inklusive ihrer Familien auszulöschen.

In ihrem Pamflet beziehen sich diese Todesschwadron u.a. auf die Präsenz der Gewerkschaft bei Nestlé, die es zu beseitigen gelte.  

Es ist bestürzend, dass einem europäischen Unternehmen in offenkundiger Verbundenheit eine Mörderbande zur Seite steht.

Dass die Drohungen ernst sind, beweist die Ermordung von Luciano Romero, der vor fünf Jahren gefoltert und ermordet wurde, nachdem er bei Nestle ungerechterweise gekündigt wurde. Die Flugblätter, die vor Kurzem im Gedenken an ihn verteilt wurden, riefen die Killerkommandos wieder auf den Plan.  

Eine Gewerkschaft kann angesichts solcher Drohungen überhaupt nicht existieren. Aber die Einschüchterung und Angst, die solche Blätter hervorrufen, die in Bugalagrande in den Straßen verteilt wurden, terrorisieren auch völlig Unbeteiligte. Und Nestlé profitiert von diesen Drohungen und Einschüchterungen.  

Wir protestieren gegen die Bedrohung der Kollegen in Kolumbien und erwarten eine offizielle Distanzierung Ihres Unternehmens gegenüber den Aguilas Negras.

Des Weiteren fordern wir Sie auf, die Verhandlungen mit der Gewerkschaft in Purina aufzunehmen. Dort wurden am 7. September auf dem Werksgelände Beschimpfungsblätter gegen Sinaltrainal verteilt.   Mit sehr besorgten und empörten Grüßen

Momentaufnahmen 2007 in Kolumbien

Auf Einladung der kolumbianischen Nahrungsmittelgewerkschaft SINALTRAINAL besuchte Pfarrer Ralf Häußler Kolumbien und nahm als beisitzender Richter (Co-Juez) vom 2.-4. August 2007 am Tribunal der Völker TPP in Bogotá zur Aufarbeitung der Naturzerstörungen und Menschenrechtsverletzungen der Erdöl-Industrie teil.

Seinen Bericht finden Sie hier.

Beim Besuch von Ralf Häußer ging es auch um Coca Cola und die Kolumbienkampagne.

Gemeinsam mit dem Bund der Katholischen Jugend / BdKJ versuchen wir auf Coca Cola einzuwirken. Siehe dazu die aktuelle Studie als Download des BdKJ zu Coca Cola.

Rum-COLA und BANANA-Split unter PALMEN in Kolumbien....

Klingt gut! Aber was haben Coca Cola und Chiquita mit dem Tod von Gewerkschaftern und der Einfuhr von Waffen zu tun? Welche Palmen wachsen nicht am Strand sondern verursachen Vertreibung von Bauern, Urwaldzerstörung und Hunger?

… und was haben wir eigentlich damit zu tun?

Coca Cola

1996 erschossen paramilitärische Todesschwadronen den  Gewerkschaftsführer Isidro Segundo Gil auf dem Werksgelände des Coca-Cola-Abfüllers in dem Städtchen Carepa. Kurz darauf brannten sie den Sitz der örtlichen Gewerkschaft nieder und zwangen alle in dem Abfüllwerk tätigen GewerkschafterInnen unter Todesdrohungen zum Austritt aus ihrer Organisation. Seither hat es weitere sieben Morde an Gewerkschaftsvertretern gegeben. Beschäftigte der Abfüllanlagen, die sich für ihre Rechte einsetzen, werden bis heute mit Drohungen, auch gegen ihre Familien, terrorisiert, viele GewerkschafterInnen mussten fliehen.

Diese Menschenrechtsverletzungen bleiben in Kolumbien weitestgehend straflos. Gegen den in Atlanta ansässigen Mutterkonzern Coca-Cola Company und dessen kolumbianische Tochter FEMSA hat die betroffene Lebensmittelgewerkschaft SINALTRAINAL daher mit Unterstützung der United Steel Workers of America und des International Labour Rights Funds in Florida - bislang leider erfolglos - Klage eingereicht. 

Coca-Cola weist die Vorwürfe mit der Behauptung zurück, für die Bedingungen in seinen Abfüllbetrieben nicht verantwortlich zu sein. Aber die Coca-Cola Company ist mitverantwortlich für die Angriffe und Morde! Der Konzern hat vom Terror der Paramilitärs profitiert und ganze Belegschaften ausgewechselt, fest angestellte ArbeiterInnen rausgeschmissen und zu ungeschützten LeiharbeiterInnen oder SubunternehmerInnen gemacht. Nur mit der paramilitärischen Gewalt war eine derartige Umstrukturierung und Entrechtung der ArbeiterInnen möglich.

Der Mutterkonzern und seine kolumbianischen Partner haben lange Zeit nicht auf die Klagen der Gewerkschaft reagiert; Forderungen nach Aufklärung der Morde, nach öffentlicher Verurteilung der paramilitärischen Gewalt in den kolumbianischen Abfüllwerken, nach Wiedereinstellung der geflohenen ArbeiterInnen und nach Entschädigung der Opfer werden seit Jahren abgeschmettert.
Nur der Internationale Druck und Boykott haben dazu geführt, dass sich Coca Cola genötigt sah, mit der Gewerkschaft zu verhandeln. Doch diese Gespräche wurden im Herbst 2007 ergebnislos abgebrochen. Zu wenig wollte der Konzern auf die Opfer zugehen.

Auch in Indien und anderen Ländern missachtet Coca Cola Menschen- und Umweltrechte. Daher rufen viele Verbände und Initiativen zum Boykott von Coca Cola – Produkten (Coca Cola, Sprite, Fanta, MezzoMix, Bonaqua, Appollinaris, etc.) auf: die katholischen Jugendverbände (BDKJ, DPSG, KLJB u.a.) ebenso wie die Gewerkschaft Ver.di, Uni-Asten und SchülerInnen-Inis, Eine-Welt-Gruppen und viele andere.

MAKE IT REAL – Boykott! 

Chiquita wegen Finanzierung von Paramilitärs verurteilt

Was bei Coca Cola bislang nicht von Gerichten anerkannt wurde, ist für Chiquita aktenkundig: Der Bananen-Konzern hat Paramilitärs mit über 1,7 Mio US-Dollar finanziert und sie beim Waffenschmuggel unterstützt. 3400 Sturmgewehre und 4 Millionen Schuss Munition wurden mit Hilfe von Chiquita ins Land geschmuggelt, versteckt in einer Schiffsladung von Gummibällen.

Die Waffen haben Paramilitärs im Norden von Kolumbien erhalten. Die „Paras“ an der Atlantikküste sind bekannt für ihre Grausamkeiten: Brutalste Massaker und Hunderte von Morden gehen auf ihr Konto. Tausende von Menschen, oft ganze Dorfgemeinschaften wurden gewaltsam vertrieben und ihres Landes beraubt.
Ein US-amerikanisches Gericht hat Chiquita wegen der Unterstützung der „Paras“ daher zu einer Geldstrafe von 25 Millionen US-Dollar verurteilt. 

Die Opfer des Paramilitarismus wurden bisher nicht entschädigt. Daher haben sich nun rund 400 Familienangehörige der Opfer zusammengeschlossen und klagen gemeinsam gegen den Multi.

Das Rainforest-Label bescheinigt Chiquita nun angeblich Umwelt- und Arbeitnehmerfreundlichkeit. Das Siegel wird von BanaFair und anderen Gruppen als Irreführung der Verbraucher kritisiert und in der Fernsehsendung NANO als unseriös entlarvt.

Warum macht Agrodiesel hungrig? 

Pflanzliche Energieträger gelten als vielversprechendes Mittel zur Lösung von Problemen wie Klimawandel, Verknappung von Erdöl und –gas, Abhängigkeit von politisch unzuverlässigen Staaten für die Energiesicherung. Dementsprechend boomt in den Ländern des Südens der Anbau von Zuckerrohr, Mais, Ölpalmen etc., die sich davon zusätzliche Devisenquellen und neue Entwicklungsmöglichkeiten versprechen. Tatsächlich jedoch haben Anbau und Nutzung pflanzlicher Energieträger gravierende Folgen für Umwelt und Menschen in den betroffenen Regionen.

In Kolumbien werden derzeit, gefördert von der Regierung, massiv Ölpalmen angebaut. Deren Öl wird u.a. in der Nahrungsmittel- und Kosmetikindustrie und zur Produktion sogenannten „Biodiesels“ verwendet. Für die Plantagen werden jedoch riesige Regenwaldflächen abgeholzt, eines der artenreichsten Ökosysteme der Welt zerstört – der „Bio“-Sprit erweist sich schon hier als Klima-Killer. Außerdem wird die Lebensgrundlage der dort lebenden afro-kolumbianischen und indigenen Gemeinschaften vernichtet. Da die Ölpalme trockene Böden benötigt, werden die Anbauflächen entwässert, Bäche und Flüsse trocknen aus. Der Einsatz von Pestiziden und Düngemitteln vergiftet Böden und Gewässer. Die Plantagen sind grüne Wüsten, in denen kein Platz mehr für den Anbau lebenswichtiger Nahrungsmittel bleibt.

Zudem ist die Ölpalmindustrie mit schweren Menschenrechtsverletzungen verbunden: Paramilitärs ermorden und vertreiben die Kleinbauern, oft unter dem Vorwand der Guerillabekämpfung, um ihnen ihr Land zu rauben und Platz für die exportorientierte Agrarindustrie zu schaffen. Deren Gewinne fließen lediglich an die großen Unternehmen. Immer weniger Land steht für die Produktion von Nahrungsmitteln zur Verfügung und die Preise steigen. Die arme Bevölkerung kann sich die Lebensmittel nicht mehr leisten - so wird Hunger gemacht. Die Nahrungsmittel des Südens werden als „Bio“-Sprit in die Auto-Tanks des reichen Nordens gefüllt.  

Weitere Informationen:

Palmöl: www.hrev.org; www.kolumbien-aktuell.ch; www.kolko.de; www.regenwald.org

Chiquita: http://www.3sat.de/nano/bstuecke/102107/index.html

www.woz.ch/artikel/2007/nr22/wirtschaft/15018.htm www.ila-web.de/artikel/ila295/tribunalbogota.htm

 

Jede/r kann was tun!

Der individuelle Verzicht ist eine Form – wesentlich effektiver ist jedoch das öffentliche und gemeinsame Handeln: wenn zum Boykott von Coca Cola aufgerufen oder über die Machenschaften von Chiquita informiert wird. Auch das Thema „Bio“-Diesel“ ist in aller Munde. Den Menschen in Kolumbien und den anderen Ländern des Südens ist am meisten geholfen, wenn wir hier in die Diskussionen und Entscheidungen eingreifen. Ein grundsätzlich anderes Denken und Handeln muss wieder Menschen und Umwelt, und nicht Profite, an erste Stelle setzen – für eine andere Welt ... denn die ist möglich und dringend nötig!

 

Dieses Info wird unterstützt von:

Attac –Saar http://www.attac.de/saarbruecken/cms/

BASO - http://www.baso-news.de/

ESG-Kolumbiengruppe Köln http://www.esg.uni-koeln.de/gruppen.htm#kol

FIAN – www.fian.org

Kolko – Menschenrechte für Kolumbien e.V. www.kolko.de

OIMA – Ökumenische Initiative Mittelamerika www.ini-ecumenica.org

Kolumbiengruppe e.V.


Weitere Informationen und Kontakt:

Kolko e.V. - maildontospamme@gowaway.kolko.net