Die Iglesia Luterana Guatemalteca /ILUGUA Selbstdarstellung (aus dem Spanischen übersetzt)

In den 80iger Jahren machte sich die erste lutherische Pfarrerin Manuela Cabrera von der Missouri-Synode unabhängig, da diese in diesen Jahren eine reaktionäre Rückwärtsentwicklung vollzog und die ökumenische Zusammenarbeit, die Frauenordination und die Beschäftigung mit sozialen Fragen ablehnte.

Die ILUGUA wurde 1995 in Zacapa (Ostguatemala) von einer Gruppe Protestanten gegründet, die sich um die soziale, wirtschaftliche, politische und geistliche Situation in ihrem Land sorgten und eine unabhängige und ökumenisch orientierte Kirche schaffen wollten.

Um das Engagement der Kirche nicht auf den sonntäglichen Gottesdienst zu beschränken, hat ILUGUA unter der Leitung von Pfarrer José Pilar Cabrera ein Projekt entwickelt und aufgebaut, das Familien von Campesinos (Kleinbauern) in umliegenden Gemeinden unterstützt.

In diesen Dörfern ist das Leben ein täglicher Überlebens­kampf für die Bewohner, die fast ausschliesslich von der Landwirtschaft leben: Die Hänge sind steil, das Land schwer zu bestellen und Wasser ist knapp. Asphaltstrassen existieren nicht, was einen 1-3-stündigen Fußmarsch nach Zacapa  bedeutet, um Lebensmittel oder andere Waren auf dem Markt einzukaufen. Ein weiteres Problem stellt die Schul­bildung dar: In den Dörfern existieren nur Grundschulen und nicht selten kommen die Lehrer aufgrund des langen und harten Wegs zur Arbeitsstelle erst überhaupt nicht dort an. Das Geld, um seine Kinder auf eine weiterführende Schule nach Zacapa zu schicken, hat kaum jemand.

Mit der Unterstützung von ILUGUA können die Familien den Grossteil ihrer Lebensmittel selbst anbauen, und oft sogar einen Teil in der Gemeinde oder auf dem Markt verkaufen.

In erster Linie unterstützt ILUGUA eine ökologische und nachhaltige Landwirtschaft. Unsere Methoden beinhalten beispielsweise den Terrassenbau, der mit kleinem Aufwand eine bessere Ernte ermöglicht und die Installation von Tanks, in denen Wasser aus kleinen Flüssen gesammelt und an verschiedene Familien weitergeleitet wird.

In regelmässig stattfindenden Workshops lernen die Bauern, wie sie ihre Felder effektiver und ohne Brandrodung, chemischen Dünger und Insektizide bestellen können.

Sie lernen Pflanzen kennen, die die Bodenqualität verbessern und oft auch als Nahrungsmittel für Mensch und Tier dienen, oder stellen selbst natürliche Insektizide her. Um Wasser zu sparen, werden Tröpfchenbewässerungsysteme eingeführt, die mit geringem Materialaufwand eine bessere Nutzung des Wassers ermöglichen.  So zeigen wir, dass man den Boden nicht ausbeuten und zerstören muss, um eine gute Ernte zu erhalten.

Wir unterstützen unsere Teilnehmer ausserdem mit Saatgut, dessen Anbau erst durch die neuen Techniken möglich wird. So gedeiht heute auf ehemaligen Mais- und Bohnenfeldern von Koriander über Radieschen und Kohl bis hin zu Platanen und Zuckerrohr eine grosse Vielfalt von Kulturpflanzen.

Vertreter der einzelnen Gemeinden (die sogenannten “Promotores”) arbeiten mit “Neulingen” und  planen Fortbildungen oder andere Veranstaltungen. Auf diese Art und Weise beginnen die Bewohner innerhalb der Gemeinden, aber auch Nachbardörfer, zusammenzu­arbeiten und sich zu organisieren.

Ein “intercambio de experiencias” (Erfahrungsaustausch) findet durch Besuche von Campesino-Gruppen aus ganz Guatemala statt, die nach Zacapa kommen oder die wir in ihren Dörfern besuchen, um neue Anregungen zu bekommen oder erfolgreiche Techniken weiterzugeben. Mit ihrer Arbeit beweisen die Teilnehmern allen Besuchern, aber mehr noch sich selbst, was sie leisten können. Wir verteilen keine (Geld)geschenke, die für kurze Zeit Reichtum bringen aber abhängig machen; das Geschenk machen sich die Bauern selbst – und geben außerdem all denjenigen etwas weiter, denen sie Wissen und Hilfe anbieten.

Weil sich Entwicklungspolitik allerdings nicht nur auf ein Gebiet beschränken kann, arbeiten wir simultan auf verschiedenen Ebenen. Die Arbeit im ökologischen Landbau geht Hand in Hand mit der Aufgabe, Selbst­bewusstsein und Selbstachtung zu lehren - zwei Werte, die vielen Guatemalteken, über Jahrzehnte von einer Militär­regierung unterdrückt und misshandelt, immer noch fehlt. Das gilt insbesondere für Frauen.

Mit Vizepräsidentinnen und Präsidentinnen von Dorf­kommitees oder im Kirchenvorstand setzen wir Gleich­berechtigung in die Tat um. Frauen nehmen an den Workshops teil und arbeiten –teilweise ohne Ehemann oder Söhne- auf den Feldern.  

Wir organisieren Vorträge zum Thema Menschen- oder Frauenrechte um Basisinformation zu vermitteln, arbeiten aber auch ganz gezielt auf ein spezielles Thema hin. So werden wir uns in nächster Zeit verstärkt auf die Aufdeckung und Aufarbeitung der Geschichte der Gemeinden konzentrieren, die in hohem Masse vom Bürgerkrieg, der 1996 endete, betroffen waren.

Ziele unsere Arbeit:

  • Eine Kirche zu sein, die das Wort Gottes reflektiert, lebt und zelebriert, die Menschenrechte fördert und Opfer jeglicher Gewalt unterstützt

  • Gemeindeverbände zu gründen, die aktiv im Prozess des Lernens und Erfahrungsaustauschs mitwirken

  • Eine nachhaltige Landwirtschaft sowie den Anbau und Gebrauch von Arzneipflanzen zu fördern

  • Traditionen wieder aufleben zu lassen, die eine harmonische Koexistenz von Mensch und Natur ermöglichen

  • Die Gemeinden in geistiger und moralischer Hinsicht zu begleiten, um so eine Umgebung zu schaffen, die von gegenseitigem Respekt geprägt und damit die Basis für wirklichen Frieden ist

Die ILUGUA ist aktives Mitglied und in ständigem Kontakt mit einer grossen Anzahl nationaler und internationaler Organisationen, wie zum Beispiel dem “Foro Ecumenico por la Paz y la Reconciliacion” (Ökumenisches Friedens- und Versöhnungsforum), Brot für die Welt, Evangelische Landeskirche Württemberg, Ökumenische Initiative Mittelamerika, “Fundacion Lutherana Mundial” (Lutherischer Weltbund), “Fundacion Myrna Mack” (Menschenrechts­organisation), CIEDEG (Verband evangelischer Kirchen Guatemalas), CALDH (Vereinigung zur Verteidigung der Menschenrechte), ACI (Allianz gegen Straffreiheit), und viele mehr.

2012 hat die ILUGUA die 54. Aktion von Brot für die Welt / EED eröffnet.

 

Spendenkonto:

Ökumenische Initiative Mittelamerika

Evangelische Kreditgenossenschaft Stuttgart

Kto. Nr. 415 189    /    BLZ: 600 606  06

 

(Verwendungszweck: ILUGUA)