Rum-COLA und BANANA-Split unter PALMEN in Kolumbien....

Klingt gut! Aber was haben Coca Cola und Chiquita mit dem Tod von Gewerkschaftern und der Einfuhr von Waffen zu tun? Welche Palmen wachsen nicht am Strand sondern verursachen Vertreibung von Bauern, Urwaldzerstörung und Hunger?
… und was haben wir eigentlich damit zu tun?


Coca Cola
 
1996 erschossen paramilitärische Todesschwadronen den  Gewerkschaftsführer Isidro Segundo Gil auf dem Werksgelände des Coca-Cola-Abfüllers in dem Städtchen Carepa. Kurz darauf brannten sie den Sitz der örtlichen Gewerkschaft nieder und zwangen alle in dem Abfüllwerk tätigen GewerkschafterInnen unter Todesdrohungen zum Austritt aus ihrer Organisation. Seither hat es weitere sieben Morde an Gewerkschaftsvertretern gegeben. Beschäftigte der Abfüllanlagen, die sich für ihre Rechte einsetzen, werden bis heute mit Drohungen, auch gegen ihre Familien, terrorisiert, viele GewerkschafterInnen mussten fliehen.
Diese Menschenrechtsverletzungen bleiben in Kolumbien weitestgehend straflos. Gegen den in Atlanta ansässigen Mutterkonzern Coca-Cola Company und dessen kolumbianische Tochter FEMSA hat die betroffene Lebensmittelgewerkschaft SINALTRAINAL daher mit Unterstützung der United Steel Workers of America und des International Labour Rights Funds in Florida - bislang leider erfolglos - Klage eingereicht. 
Coca-Cola weist die Vorwürfe mit der Behauptung zurück, für die Bedingungen in seinen Abfüllbetrieben nicht verantwortlich zu sein. Aber die Coca-Cola Company ist mitverantwortlich für die Angriffe und Morde! Der Konzern hat vom Terror der Paramilitärs profitiert und ganze Belegschaften ausgewechselt, fest angestellte ArbeiterInnen rausgeschmissen und zu ungeschützten LeiharbeiterInnen oder SubunternehmerInnen gemacht. Nur mit der paramilitärischen Gewalt war eine derartige Umstrukturierung und Entrechtung der ArbeiterInnen möglich.
 
Der Mutterkonzern und seine kolumbianischen Partner haben lange Zeit nicht auf die Klagen der Gewerkschaft reagiert; Forderungen nach Aufklärung der Morde, nach öffentlicher Verurteilung der paramilitärischen Gewalt in den kolumbianischen Abfüllwerken, nach Wiedereinstellung der geflohenen ArbeiterInnen und nach Entschädigung der Opfer werden seit Jahren abgeschmettert.
Nur der Internationale Druck und Boykott haben dazu geführt, dass sich Coca Cola genötigt sah, mit der Gewerkschaft zu verhandeln. Doch diese Gespräche wurden im Herbst 2007 ergebnislos abgebrochen. Zu wenig wollte der Konzern auf die Opfer zugehen.
 
Auch in Indien und anderen Ländern missachtet Coca Cola Menschen- und Umweltrechte. Daher rufen viele Verbände und Initiativen zum Boykott von Coca Cola – Produkten (Coca Cola, Sprite, Fanta, MezzoMix, Bonaqua, Appollinaris, etc.) auf: die katholischen Jugendverbände (BDKJ, DPSG, KLJB u.a.) ebenso wie die Gewerkschaft Ver.di, Uni-Asten und SchülerInnen-Inis, Eine-Welt-Gruppen und viele andere.
MAKE IT REAL – Boykott !
 
 
Chiquita wegen Finanzierung von Paramilitärs verurteilt
 
Was bei Coca Cola bislang nicht von Gerichten anerkannt wurde, ist für Chiquita aktenkundig: Der Bananen-Konzern hat Paramilitärs mit über 1,7 Mio US-Dollar finanziert und sie beim Waffenschmuggel unterstützt. 3400 Sturmgewehre und 4 Millionen Schuss Munition wurden mit Hilfe von Chiquita ins Land geschmuggelt, versteckt in einer Schiffsladung von Gummibällen.
Die Waffen haben Paramilitärs im Norden von Kolumbien erhalten. Die „Paras“ an der Atlantikküste sind bekannt für ihre Grausamkeiten: Brutalste Massaker und Hunderte von Morden gehen auf ihr Konto. Tausende von Menschen, oft ganze Dorfgemeinschaften wurden gewaltsam vertrieben und ihres Landes beraubt.
Ein US-amerikanisches Gericht hat Chiquita wegen der Unterstützung der „Paras“ daher zu einer Geldstrafe von 25 Millionen US-Dollar verurteilt. 
 
Die Opfer des Paramilitarismus wurden bisher nicht entschädigt. Daher haben sich nun rund 400 Familienangehörige der Opfer zusammengeschlossen und klagen gemeinsam gegen den Multi.
Das Rainforest-Label bescheinigt Chiquita nun angeblich Umwelt- und Arbeitnehmerfreundlichkeit. Das Siegel wird von BanaFair und anderen Gruppen als Irreführung der Verbraucher kritisiert und in der Fernsehsendung NANO als unseriös entlarvt.

 
Warum macht Agrodiesel hungrig?
 
Pflanzliche Energieträger gelten als vielversprechendes Mittel zur Lösung von Problemen wie Klimawandel, Verknappung von Erdöl und –gas, Abhängigkeit von politisch unzuverlässigen Staaten für die Energiesicherung. Dementsprechend boomt in den Ländern des Südens der Anbau von Zuckerrohr, Mais, Ölpalmen etc., die sich davon zusätzliche Devisenquellen und neue Entwicklungsmöglichkeiten versprechen. Tatsächlich jedoch haben Anbau und Nutzung pflanzlicher Energieträger gravierende Folgen für Umwelt und Menschen in den betroffenen Regionen.
 
In Kolumbien werden derzeit, gefördert von der Regierung, massiv Ölpalmen angebaut. Deren Öl wird u.a. in der Nahrungsmittel- und Kosmetikindustrie und zur Produktion sogenannten „Biodiesels“ verwendet. Für die Plantagen werden jedoch riesige Regenwaldflächen abgeholzt, eines der artenreichsten Ökosysteme der Welt zerstört – der „Bio“-Sprit erweist sich schon hier als Klima-Killer. Außerdem wird die Lebensgrundlage der dort lebenden afro-kolumbianischen und indigenen Gemeinschaften vernichtet. Da die Ölpalme trockene Böden benötigt, werden die Anbauflächen entwässert, Bäche und Flüsse trocknen aus. Der Einsatz von Pestiziden und Düngemitteln vergiftet Böden und Gewässer. Die Plantagen sind grüne Wüsten, in denen kein Platz mehr für den Anbau lebenswichtiger Nahrungsmittel bleibt.
Zudem ist die Ölpalmindustrie mit schweren Menschenrechtsverletzungen verbunden: Paramilitärs ermorden und vertreiben die Kleinbauern, oft unter dem Vorwand der Guerillabekämpfung, um ihnen ihr Land zu rauben und Platz für die exportorientierte Agrarindustrie zu schaffen. Deren Gewinne fließen lediglich an die großen Unternehmen. Immer weniger Land steht für die Produktion von Nahrungsmitteln zur Verfügung und die Preise steigen. Die arme Bevölkerung kann sich die Lebensmittel nicht mehr leisten - so wird Hunger gemacht. Die Nahrungsmittel des Südens werden als „Bio“-Sprit in die Auto-Tanks des reichen Nordens gefüllt.  
 
Weitere Informationen:
Palmöl: www.hrev.org; www.kolumbien-aktuell.ch; www.kolko.de; www.regenwald.org
 
Coca-Cola: www.kolumbienkampagne.de
www.bdkj.de/index.php/149/0/
 
Chiquita: http://www.3sat.de/nano/bstuecke/102107/index.html
www.woz.ch/artikel/2007/nr22/wirtschaft/15018.htm www.ila-web.de/artikel/ila295/tribunalbogota.htm
 
 
 
Jede/r kann was tun!
Der individuelle Verzicht ist eine Form – wesentlich effektiver ist jedoch das öffentliche und gemeinsame Handeln: wenn zum Boykott von Coca Cola aufgerufen oder über die Machenschaften von Chiquita informiert wird. Auch das Thema „Bio“-Diesel“ ist in aller Munde. Den Menschen in Kolumbien und den anderen Ländern des Südens ist am meisten geholfen, wenn wir hier in die Diskussionen und Entscheidungen eingreifen. Ein grundsätzlich anderes Denken und Handeln muss wieder Menschen und Umwelt, und nicht Profite, an erste Stelle setzen – für eine andere Welt ... denn die ist möglich und dringend nötig!
 
 
 
Dieses Info wird unterstützt von:
Attac –Saar http://www.attac.de/saarbruecken/cms/
BASO - http://www.baso-news.de/
ESG-Kolumbiengruppe Köln http://www.esg.uni-koeln.de/gruppen.htm#kol
FIAN – www.fian.org
Kolko – Menschenrechte für Kolumbien e.V. www.kolko.de
OIMA – Ökumenische Initiative Mittelamerika www.ini-ecumenica.org
Kolumbiengruppe e.V.
Kolumbienkampagne Berlin - www.kolumbienkampagne.de/
 
Weitere Informationen und Kontakt:
Kolko e.V. -  mail@dont-want-spam.kolko.net
 
Impressum / V.i.S.d.P.:
Ökumenische Initiative Mittelamerika
c/o Ralf Häussler - Friedrichshafener Str. 58 - 89079 Ulm - Tel.: 0731 – 481567 - www.ini-ecumenica.org
 
Mit finanzieller Unterstützung des Evangelischen Entwicklungsdienstes (EED)