Unsere Aktivitäten im Jahr 2009
Jahresbericht Entwicklungspolitische Bildungsarbeit 2009
Das Jahr 2009 hatte in unserer Bildungsarbeit folgende Schwerpunkte:
Begleitung und Lobbyarbeit für die Lutherische Kirche Guatemalas / ILUGUA und des von der ILUGUA gegründeten Netzwerks „Vereinigung für den Schutz der Granadillas“. Organisation des Besuchs von Nidia Galdamez und Pilar Cabrera in Deutschland vom 7. Mai – 4. Juni 2009.
Guatemala Koordinations – und Informationstagung in Stuttgart vom 15. - 17. 5.2009
Aufbau eines Vertriebsnetzwerkes für die im Entstehen begriffene Kooperative von Kaffeebauern in den Granadillas.
Regionale Aktivitäten zu „50 Jahre Brot für die Welt“ und zum Besuch des „Brotmobils“ in Ulm im Rahmen der Aktion „Weltweite Tischgemeinschaft - Kampagne für Ernährungssicherheit“ unter dem Stichwort „Aktiv gegen den Hunger in der Welt und für eine gesunde Ernährung“.
Konferenz „Lateinamerika im Aufbruch“ mit Konzertlesung am 4./5.12.2009 in Ulm
Weitere Arbeitsgebiete und Aktivitäten / Mitgliedersammlung
Zu 1. Begleitung und Lobbyarbeit
Seit vielen Jahren unterstützen wir gemeinsam mit Brot für die Welt und der evangelischen württembergischen Landeskirche die Arbeit der ILUGUA. Die Kirche arbeitet im Osten Guatemalas, im Departement Zacapa. Die dortigen Behörden arbeiten eng mit den Großgrundbesitzern und der Drogenmafia zusammen, was für die ILUGUA eine große Bedrohung darstellt: Es herrscht ein Klima der Gewalt verbunden mit Straflosigkeit.
Der Schutz der Bergregion Las Granadillas, der Aufbau einer nachhaltigen Landwirtschaft, die Aufarbeitung der Gewalt und der Menschenrechtsverletzungen des 36-jährigen Krieges, der seinen Ausgang in Zacapa nahm, sowie die enge Zusammenarbeit der ILUGUA mit Umwelt-, Menschenrechts – und Bauernorganisationen führt zu massiven Konflikten mit den Großgrundbesitzern.
Die Bedrohungen, Einschüchterungsversuche und Morddrohungen wurden in letzter Zeit immer massiver. Das Jahr 2009 begann mit schlechten Nachrichten aus Guatemala: Die Behörden versuchten am 25. Januar drei der Leitungspersonen der ILUGUA und der Vereinigung zum Schutz der Granadillas zu verhaften. Geplant war eine Ermordung im Gefängnis durch gedungene Mörder. Zwar konnte durch den Druck aus Guatemala und aus Deutschland eine Aufhebung der Haftbefehle erwirkt werden, umso massiver gingen aber die Drohungen weiter.
Die Aufhebung der Haftbefehle kam durch eine enge Zusammenarbeit mit Organisationen in Guatemala, dem dortigen deutschsprachigen Pfarrer und der deutschen Botschaft in Guatemala, dem Menschenrechts-Referat des DW und den Fachreferenten von BfdW, mit dem Leiter der Lateinamerika Abteilung des LWB Martin Junge und bis hin zum BMZ bzw. der damaligen Ministerin Wieczorek-Zeul in Berlin zustande.
Die jahrelange Kommunikations- und Lobbyarbeit der Ökumenischen Initiative Mittelamerika, die enge Zusammenarbeit mit BfdW, dem Menschenrechtsreferat des DW und dem Evangelischen Oberkirchenrat in Stuttgart, ebenso wie die Kooperation mit der Mühlhausener Partnergemeinde in Bayern, hatten wohl einen nicht unerheblichen Einfluss darauf, dass die Haftbefehle aufgehoben wurden und die in Guatemala Bedrohten weiter ihre Arbeit machen können – und noch am Leben sind.
Dennoch hinterließ die Bedrohungssituation ihre Spuren. Das war deutlich bemerkbar, als der leitende Pfarrer Cabrera und die Vorsitzende der ILUGUA, Nidia Galdamez vom 7. Mai bis zum 4. Juni 2009 nach Deutschland eingeladen waren und wir geplant hatten, mit ihnen u.a. den DEKT zu besuchen.
Bei der vorangehenden Guatemala-Tagung in Stuttgart (siehe beiliegendes Protokoll) wurde deutlich, dass eine Auszeit und eine wenigstens in Ansätzen erfolgende Aufarbeitung der Bedrohungssituation dringend nötig war und wir somit die Teilnahme am DEKT absagen mussten. Umso wichtiger waren die Gespräche in Berlin und Genf, wo im BMZ (u.a. Parlamentarische Staatssekretärin Kortmann), im AA und vor Vertretern des MR-Ausschusses des Bundestags über die aktuelle Situation berichtet werden konnte.
Die Kontakte wurden vom Menschenrechts-Referat des DW und den Fachabteilungen von BfdW organisiert. Die beiden Vertreter der ILUGUA wurden von Ralf Häußler begleitet.
Direkt nach Berlin ging es am 28. Mai nach Genf weiter. Dort hatte Martin Junge ein Gesprächsprogramm mit Vertretern des LWB u.a. dem Generalsekretär Noko, aber auch Gespräche in der UNO organisiert. In der UNO sprachen wir mit Vertreter/innen des Hochkommisariats für Menschenrechtsfragen in Lateinamerika und Guatemala, sowie mit Abteilungen, die für Themen wie Umweltschutz und Wasser zuständig sind.
Diese Gespräche waren wichtig in ihrer Schutzfunktion nicht nur für die beiden Vertreter aus Guatemala, sondern um insgesamt die Aufmerksamkeit für Guatemala und die dortigen Organisationen, die verfolgt werden, etwas zu erhöhen. Die Erfahrungen der ILUGUA und des Komitees für den Erhalt der Granadillas wurden als symptomatisch für die Situation in Guatemala, aber auch in anderen Ländern des lateinamerikanischen Kontinents betrachtet und dementsprechend gewürdigt.
Politische Entwicklungen können nicht monokausal abgeleitet werden, dennoch haben die Gespräche in Berlin und Genf wohl dazu beigetragen, dass der Gouverneur des Departements Zacapa, der eng mit den Großgrundbesitzern zusammenarbeitet und mit der Lokalen Drogenmafia verwoben ist und auf dessen Betreiben die Haftbefehle im Januar 2009 ausgestellt wurden, seines Amtes enthoben wurde. Ebenso wurde im Sommer auf Betreiben der Zentralregierung Guatemalas ein Runder Tisch zum Schutz der Granadillas in Zacapa eingerichtet. Dieser Runde Tisch wurde aber bald von den Großgrundbesitzern boykottiert.
Im Dezember 2009 geschah dann ein wichtiger Durchbruch: Die Zentralregierung eröffnete ein Verfahren um die ganze Region des Gebirgsmassivs Las Granadillas zur Naturschutzregion und zur Region des Schutzes der Artenvielfalt zu ernennen. Dies gibt dem Engagement der ILUGUA und der Vereinigung zum Schutz der Granadillas einen deutlich verbesserten Rechtsrahmen und unterstützt die Bemühungen des Aufbaus einer Nachhaltigen Landwirtschaft in der Region. Die Wasserquellen, die 400 000 Menschen mit Trinkwasser versorgen, können besser geschützt werden, wenn die Region unter Naturschutz gestellt wird.
Veranstaltungen in der bayrischen Landeskirche, wie die Teilnahme als Referenten der Ökumenischen Fachtagung „Kirche solidarisch für Menschenrechte?“ veranstaltet von der Mission EineWelt in der Tagungsstätte Schmerlenbach, Gespräche mit den Fachreferenten der württembergischen und bayrischen Landeskirchen führen ebenso wie die Unterzeichnung von Partnerschaftsverträgen in Kirchengemeinden der beiden Landeskirchen dazu, den Schutz für die in Guatemala Aktiven zu vergrößern und das Land ebenso wie die Region wieder etwas mehr in den Fokus des allgemeinen Interesses zu rücken - kirchlicherseits ebenso wie auf Seiten des Bundestages und der deutschen Regierung.
Die beiden Vertreter Guatemalas waren auch in verschiedenen Kirchengemeinden zu Gast. Gerade die Kirchengemeinden können bei dementsprechender Information und Bereitschaft zur Aktion durch eine gezielte Pressearbeit/Medienarbeit, durch Lobbyarbeit in den kirchlichen Strukturen und Lobbyarbeit bei den örtlichen Landtags, -Bundestags – und EU-Abgeordneten, durch Veranstaltungen in den eigenen Räumen, aber auch durch Kooperationen mit Schulen, Eine Weltläden, interessierten Unternehmen, und besonders mit Initiativen und Organisationen, die an ähnlichen Fragestellung im hiesigen und regionalen / lokalen Kontext arbeiten, eine große Breitenwirkung erreichen.
Bei der Öffentlichkeits- und Lobbyarbeit für die ILUGUA ebenso wie bei der Finanzierung koordinieren wir uns mit der württembergischen Landeskirche und Brot für die Welt.
Seit 2008 ist eine enge Kooperation mit der Kirchengemeinde Mühlhausen entstanden, mit der wir gemeinsam auch einen Teil der finanziellen Unterstützung für die Arbeit der ILUGUA verantworten. Die Spendengelder aus Mühlhausen und von der Ökumenischen Initiative Mittelamerika gehen direkt an die ILUGUA und werden von der ILUGUA im für BfdW zu erarbeitenden Finanzbericht dokumentiert und von BfdW überprüft. Das gewährleistet eine Verwendung und Abrechnung gemäß den strengen Finanzkriterien von BfdW und nimmt uns viel Arbeit ab!
Es ist erstaunlich, was eine gut vernetzte Kirche in Guatemala erreichen kann, auch wenn sie nicht zu den Großorganisationen gehört, sondern eine Minderheit darstellt und mit keinen renommierten Persönlichkeiten, wie z.B. einem Bischofsamt aufwarten kann.
Ebenso erstaunlich ist es, was kleine Organisationen - und eben auch Kirchengemeinden - in unserem Kontext erreichen können, wenn sie sich vernetzen, temporäre Bündnisse und Aktions-Bündnisse eingehen, über einen längeren Zeitraum am Thema bleiben und damit Kompetenzen aufbauen, die im professionellen Bereich der entwicklungspolitischen, kirchlichen Organisationen verloren zu gehen drohen, da dort leider ständig Fachpersonal abgebaut wird.
Gerade die in den Strukturen der Kirchengemeinden arbeitenden Partnerschaftsgruppen werden wir 2010 mehr in den Blick nehmen. (Siehe dazu auch Seite 7f des inhaltlichen Berichts zur Lateinamerika-Konferenz in Ulm)
Gleichzeitig kann die Organisation von ökumenischen Lernprozessen, die über einen längeren Zeitraum gehen, nur schwerlich ohne die Kompetenz der Fachleute und der professionell Arbeitenden realisiert werden! Es kommt auf die gute Vernetzung der verschiedenen Ebenen an und auf das Einbringen der jeweiligen Stärken! Die Erfahrungen der Ökumenischen Initiative Mittelamerika haben gezeigt, wie wichtig und sinnvoll es ist, mit den Fachdiensten der Kirche zusammenzuarbeiten: Sie sind natürlicher Ansprechpartner derjenigen, die sich im kirchlichen Raum für Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung einsetzen.
Ebenso ist eine Kooperation mit Eine Weltläden und sozialen und politischen Gruppen und Strukturen, die in der Entwicklungszusammenarbeit tätig sind, nötig.
Besonders gute Erfahrungen machen wir mit den Gruppen und Organisationen, die zum einen Teil Ländergruppen sind und jahrelange länderspezifische, fachliche Kompetenz aufgebaut haben, wie z.B. die Guatemala - und Kolumbiengruppen, die aber auch an länderübergreifenden Fragen arbeiten wie z.B. FIAN.
Zu 2. Guatemala Informations- und Koordinationstagung in Stuttgart vom 15. -17.5.2009
Zu der Tagung liegt ein beiliegender, gesonderter inhaltlicher und finanzieller Bericht bei.
Zu 3. Aufbau eines Vertriebsnetzwerkes für nachhaltig angebauten Kaffee der Granadillas
Gemeinsam mit dem Eine Weltladen Schramberg und der Kaffeerösterei in Mössingen arbeiten wir am Aufbau eines Vertriebsnetzwerkes des hochwertigen Kaffees, der von Campesino-Familien in den Granadillas produziert wird.
Neben der Unterstützung der Familien durch eine verlässliche Einnahmequelle verfolgen wir den Ansatz, zu einer wenigstens teilweisen Selbstfinanzierung der Arbeit der Lutherischen Kirche Guatemalas beizutragen.
Gespräche mit den Bauernfamilien im Rahmen des dortigen Besuchs von Ralf Häußler im Sommer 2009 haben dazu geführt, das Problembewusstsein für die Notwendigkeit einer gleich bleibenden Qualität des Kaffees ebenso zu thematisieren, wie den Aufbau einer Kooperativen-Struktur mit klaren Verantwortlichkeiten und einem verlässlichen Gegenüber für die Kaffeerösterei und den Eine Weltläden und Eine Weltgruppen anzuregen.
Für 2010 ist eine Werbekampagne für diesen Kaffee geplant, die durch einen gemeinsamen Brief der Ulmer Prälatin Wulz und der Kaffeerösterei „Spezialitäten Compagnie Mössingen“ unterstützt wird.
Mit dem Verkauf des Kaffees soll auch gleichzeitig die Arbeit für den Erhalt des Regenwaldes und den Aufbau einer flächendeckenden nachhaltigen Landwirtschaft kommuniziert und unterstützt werden. 2008 und 2009 wurden jeweils 2 Tonnen Kaffee verarbeitet und verkauft.
Zu 4. Regionale Aktivitäten in Ulm rund um das „Brotmobil“, „50 Jahre Brot für die Welt“ und „Ernährungskampagne“
Am 3. und 4. Mai 2009 fanden in Ulm Aktivitäten mit dem Brotmobil im Rahmen von „50 Jahre Brot für die Welt“ statt. Wir beteiligten uns an dem regionalen Netzwerk, das diese Aktivitäten vorbereitete und übernahmen gemeinsam mit der Prälatin Wulz den Eröffnungsgottesdienst am 3. Mai im Ulmer Münster.
Am 4.Mai fand eine von uns organisierte Schüler Menschenkinder Kette zum Thema „Das Recht auf Nahrung -Die Notwendigkeit einer gesunden Ernährung mit Produkten aus der Region“ mit den Wiblinger Schulen statt, an der sich über 1000 Schüler/innen beteiligten.
Den Schulen bzw. dem Lehrkörper wurden im Vorfeld Unterrichtsmaterialien zum Thema angeboten u.a. auf den Webseiten der Kirchen und der Ökumenischen Initiative Mittelamerika. Dabei zeigte sich das größte Interesse bei den Grund – und Hauptschulen. Auch die Realschule zeigte ein gewisses Interesse.
Enttäuschend war die Haltung des Wiblinger Gymnasiums im hiesigen Schulzentrum: Obwohl die Aktionen schon zwei Monate vorher angekündigt waren, gelang es der Schulleitung und dem Lehrkörper nicht, die Schüler adäquat auf die Menschenkette vorzubereiten. Erschwert wurde dies durch lange Krankheitszeiten von Religionslehrern, die ein natürlicher Ansprechpartner in den Schulen gewesen wären.
Die Aktionen wurden durch die regionalen Medien (Rundfunk und Zeitungen) begleitet.
Besuche in den Wiblinger Schulen der beiden Vertreter der ILUGUA während ihres Aufenthaltes in Deutschland dienten auch der Vertiefung der am 3. und 4. Mai behandelten Themen und Aktionen.
Am Abend des 4. Mai fand dann eine Podiumsdiskussion zum Thema: „Die Zukunft der Nahrungsproduktion und der Landwirtschaft – zerrieben zwischen Gentechnologie, Discountern und dem weltweiten Hunger nach Energie?!“ statt. Podiumsteilnehmer/innen waren: Carolin Callenius, Koordinatorin der Ernährungskampagne von Brot für die Welt, Stuttgart - Hilde Mattheis, MdB und Mitglied im Bundesparteivorstand der SPD, Ulm/Berlin - Dr. Clemens Dirscherl, Geschäftsführer des Evangelischen Bauernwerks und leitender Agrarreferent der württembergischen Landeskirche, Hohebuch - Maria Heubuch, Bundesvorsitzende der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft; Leutkirch - Eugen Schlachter, MdL, Finanzpolitischer Sprecher der Grünen und Bankdirektor und Winfried Walter, Landwirt, CDU-Ulm.
Über 100 Teilnehmer kamen zusammen, um über Fragen von heimischer und weltweiter Landwirtschaft, von gerechten Preisen im Süden und im Norden ebenso zu diskutieren, wie über die Aufgaben der Politik und die Verantwortung der Verbraucher. Das besondere war, dass Vertreter/innen aus den Kirchengemeinden, aus Bauernverbänden und der EineWeltbewegung ins Gespräch kamen.
Zu 5. Konferenz „Lateinamerika im Aufbruch“ mit Konzertlesung
Dazu liegt ein ausführliches Protokoll einschließlich Auswertung vor.
Gemeinsam mit Jugendlichen der Gesamtkirchengemeinde Ulm-Wiblingen veranstalteten wir am Ende November /Anfang Dezember Verkäufe von Selbstgebackenem, von Kaffee aus Guatemala und Kunsthandwerk, um auf die Jugend-Arbeit der ILUGUA in Guatemala aufmerksam zu machen und die Lateinamerika-Konferenz sowie die Konzertlesung zu bewerben.
Zu 6. Weitere Aktivitäten im Jahr 2009
Mitgliederversammlung am 29. Juli 2009 in Ulm
Zu der Mitgliederversammlung kamen 10 Mitglieder der Ökum. Initiative Mittelamerika.
Das ist bei einem Mitgliederstand von 40 Personen eine nicht zufriedenstellende Zahl. Es herrscht wohl etwas die Stimmung: „Der Vorstand macht seine Arbeit gut – und ich habe sowieso schon genug um die Ohren.“
Über E-Mails und die Internetseite versuchen wir die Mitglieder auf dem Laufenden zu halten.
Die eingehenden Spenden und Mitgliedsbeiträge zeigen, dass eine Unterstützung da ist, auch wenn es schwer fällt, sich für Termine und Treffen freizumachen.
Mitarbeit im Landeskirchlichen Arbeitskreis Lateinamerika:
Der Arbeitskreis trifft sich zweimal im Jahr und begleitet die Arbeit der Landeskirche zu Lateinamerika. Wir halten diese Vernetzung von Basisgruppen, Hilfsorganisationen, Hilfswerken und Landeskirche für sinnvoll. In der Oktobersitzung 2009 nahm Landesbischof July teil und wir tauschten uns über die Aktivitäten der Landeskirche zu Lateinamerika aus.
Mit dem Landeskirchlichen Arbeitskreis und dem neuen Referenten für Partnerschaften und Kirchlichen Entwicklungsdienst, Herrn Rudolf Bausch planen wir für den Herbst 2010 einen Fachtag zum Thema „Partnerschaften und Ökumenische Lernprozesse“ unter Beteiligung von BfdW.
Im Nachklang der Sitzung des Landeskirchlichen Arbeitskreises kam es am 2.11.2009 zu einem Fachgespräch im Oberkirchenrat Stuttgart
an dem Fachreferenten des OKR, von BfdW, dem Menschenrechtsreferat des DW und der Vertreter/innen der Ökumenischen Initiative Mittelamerika teilnahmen und u.a. über den für 2010 geplanten Fachtag und eine bessere Vernetzung der jeweiligen Dienste gesprochen wurde.
Vorträge:
Auch 2009 haben Vorstandsmitglieder der Ökumenischen Initiative Mittelamerika in Eine Weltläden, in Kirchengemeinden und Aktionsgruppen Vorträge gehalten, bzw. deren Partnerschaftsarbeit begleitet.
Unsere Vorstandsmitglied Adelheid Honecker beteiligte sich aktiv an der Gestaltung der Partnerschaft mit Bogotá im Rahmen der Friedensstadt Tübingen.
Sie berät Bürger - Stiftungen zu Kolumbien und Guatemala.
Die Ökumenische Initiative Mittelamerika unterstützt weiterhin die Solidaritätsarbeit mit der Gewerkschaft SINALTRAINAL in Kolumbien (siehe beiliegenden Flyer).
Zusammenfassende Betrachtung der Arbeit der Ökumenischen Initiative Mittelamerika im Jahr 2009:
Das Jahr 2009 stellte uns vor eine Reihe unerwarteter Herausforderungen:
Im Januar stellten die Haftbefehle gegen drei leitende Persönlichkeiten der ILUGUA und des Komitees zum Schutz der Granadillas sowie deren geplante Ermordung im Gefängnis eine massive Herausforderung für uns dar.
Gleichzeitig kamen die jahrelange inhaltliche Vorarbeit und der Aufbau eines Netzwerkes im kirchlichen und politischen Bereich, ebenso wie im Bereich der Ökumene und der entwicklungspolitischen Organisationen wie z.B. mit FIAN nun voll zur Geltung. Sie spielten eine große Rolle beim Schutz der Bedrohten und deren Arbeit, bis hin zu den politischen Entscheidungen in Guatemala, welche die umkämpfte Region nun wenigstens formal unter Naturschutz stellte.
Regionale Aktivitäten spielten im Jahr 2009 eine zentrale Rolle: Die Ankunft des Brotmobils in Ulm im Rahmen des Jubiläums von Brot für die Welt war der Ausgangspunkt von vielen Aktivitäten und Gesprächen auf unterschiedlichster Ebene: Mit den Fachdiensten für Mission und Ökumene, mit der Kirchenleitung (Dekanat und Prälatur), mit Schulleitungen ebenso wie mit Bauernverbänden, der Politik und unseren Fachdiensten im Bereich der Landwirtschaft und Brot für die Welt.
Es waren gerade diese Aktivitäten, die natürlich einen immensen Personaleinsatz mit sich brachten, aber dann auch zu Erfolgen und Teilnehmerzahlen führten, von denen wir vorher nicht zu träumen wagten. An den entstandenen Kontakten in der Region und mit den beteiligten Organisationen und Einzelpersonen können wir in Zukunft anknüpfen.
Nachdenklich machte uns, dass die geplanten Aktivitäten rund um das Jubiläum von BfdW und dem Brotmobil mit keinerlei finanziellen Mitteln ausgestattet waren. Es hing letztendlich an unserem doch eigentlich recht kleinen Finanzrahmen, dass die geplanten und nötigen Aktionen in Ulm-Wiblingen auch durchgeführt werden konnten!
Wie schreibt BfdW auf der Webseite des Brotmobils so schön: „ In Wiblingen konnte sich das Brotmobil nicht über mangelndes Interesse beklagen...“ - Ohne die Förderung durch den EED im Rahmen unseres Jahresetats und den Einsatz unserer eigenen Mittel wären die hiesigen Aktivitäten nicht möglich gewesen!
Aus dem im Antrag noch so unscheinbar daher kommenden geplanten Studientag im Herbst wurde eine ganze Lateinamerika-Konferenz, mit Kinoabend beginnend und endend mit der Konzertlesung mit Grupo Sal und Fulbert Steffensky in enger Kooperation mit der VH Ulm und dem Eine Weltladen Ulm.
Mit anderen Worten: Die Arbeit der Ökumenischen Initiative Mittelamerika hat sich 2009 sehr stark an den sich ergebenden Möglichkeiten, aber auch an den gegebenen Problemen orientiert. Eine „akademische Planung“ wie sie in den zurückliegenden Jahren eher möglich war, hatten wir zwar bei der Antragstellung gemacht, mussten dann aber bereit sein, spontan auf die sich ergebenden Situationen und Möglichkeiten einzugehen. Wie diese Entwicklungen in unserer Arbeit sich in der zukünftigen Antragstellung beim EED niederschlagen können, müssen wir noch mit dem EED klären.
Mit dem Fachtag zu Coca Cola hatten wir im Antrag gezielt Schulen ansprechen wollen, um sie auf die Fragen anzusprechen, die im von uns mit erarbeiteten Flyer „Rum Cola und Banana Split unter Palmen in Kolumbien“ anhand von Coca Cola, Chiquita und Ölpalmen verdeutlicht werden sollten. Mit den Aktivitäten rund um das Brotmobil stellten wir nun diese Fragen in den Kontext der Ernährungssouveränität, den Bedingungen, unter denen unsere Lebensmittel hergestellt werden
- in Nord und Süd.
Coca Cola und die Rolle der Paramilitärs beim Kampf gegen die sozialen Organisationen in Kolumbien griffen wir in der Lateinamerika Konferenz mit dem hervorragenden Referenten Raul Zelik, aber auch der entwicklungspolitischen Sprecherin der Bundestagsfraktion der Linken, Heike Hänsel noch einmal vertiefend auf.
Beim Milchstreik der Bauernfamilien, die sich im Bundesverband deutscher Milchviehhalter zusammengeschossen haben, brachten wir im Sommer und Herbst 2009 unsere Kontakte durch die Arbeit mit Coca Cola zur NGG ein und trugen dazu bei, dass die Landwirte mit der Gewerkschaft NGG und dem DGB, ebenso wie mit den Grünen und der Linken ins Gespräch kamen:
Zwei Welten begegnen sich – nicht nur zwischen Nord und Süd!
Ralf Häußler im Namen des Vorstands der Ökum. Initiative Mittelamerika